Hypnosepraxis Ute Neehoff

 

Therapie - Coaching - Beratung

 

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Wie könnte eine Time-Line-Sitzung ablaufen?

Der fiktive Klient Frank ist Verkäufer und rein äußerlich ein selbstbewusster Mann. In ungewohnten beruflichen Situationen reagiert er nervös und aufgeregt. Sein Kopf wird rot, die Stimme überschlägt sich. Es ist ihm peinlich. Zusätzlich verunsichern ihn das Kribbeln im Bauch und die Leere im Kopf.

Franks Anliegen: Er möchte in diesen Situationen äußerlich und innerlich ruhig auftreten.

Beginn

Frank liegt auf einer Liege unter einer Decke. Ich bitte ihn, sich in eine entsprechende Situation zu versetzen. Je tiefer Frank eintaucht, desto unruhiger wird er. Tun wir mal so als ob es Frank tatsächlich gäbe.

Frank schildert mit geschlossenen Augen wie ihn sein Chef kürzlich während eines Verkaufsgesprächs aus der Distanz beobachtete. Eigentlich wollte er seinem Chef endlich mal zeigen, was er kann. Leider übermannte ihn die Unsicherheit. Er ärgert sich in solchen Momenten über sich, ist jedoch nicht in der Lage, etwas zu ändern.

Während sich Frank mit allen Sinnen an den Vorfall erinnert, geht er in eine leichte Trance, konzentriert sich voll ganz auf sein inneres Erleben. Alles andere tritt in den Hintergrund. In dieser leichten Trance ist er fähig, zu sprechen.

Auf die Frage, welche Symptome er in seinem Körper wahrnimmt, antwortet er, dass er ein Gefühl der Leere im Kopf hat.

Ich: Wie stark ist dieses Gefühl auf einer Skala von 1 bis 10, wenn 1 sehr schwach und 10 sehr stark ist?

Frank: 8.

Ich: Gibt es weitere Symptome?

Frank: Im Bauch, dieses unangenehme Kribbeln. Das macht mich nervös.

Ich: Wie stark ist es auf der Skala von 1 bis 10.

Frank: 6.

Ich: Gibt es weitere Symptome?

Frank: In den Beinen, dieses Zucken. Ich kann sie nicht still halten. Der Drang ist einfach zu stark.

Ich: Wie stark von 1 bis 10?

Frank: 8, sehr unangenehm.

Ich: Sonst noch etwas?

Frank: Nein.

 

Zusammenfassung der Symptome:

Gefühl der Leere im Kopf:   8

Kribbeln im Bauch:              6

Zucken in den Beinen:        8

In der leichten Trance, in der sich Frank befindet, läßt sich das hypnotische Phänomen der Hypermnesie erzeugen. Frank wird sich an Dinge erinnern, die er mit seinem Tages-Bewusstsein höchstwahrscheinlich nicht mit seinem Problem in Verbindung gebracht hätte. Wir setzen das Gespräch fort.

I: Wann hattest du dieses Gefühl im Körper, das du gerade beschrieben hast, zum allerersten Mal – vor, während oder nach Deiner Geburt (Anmerkung am Ende des Artikels)? Was war dein erster Gedanke gerade eben als ich gefragt habe?

F: Nach der Geburt.

I: In welchem Alter? Dein erster Gedanke.

F: Mit sechs Jahren.

I: Auf 3 hast du ein Bild, ein Gefühl, einen Gedanken aus deinem sechsten Lebensjahr. Eins, zwei, drei. Was siehst du, was fühlst du, was hörst du? Beschreibe mir die Situation.

F: Ich weiß nicht, wie ich jetzt darauf komme. Ich sitze in einer Schulbank.

I: Was geschieht?

F: Ich werde eingeschult, es ist der erste Tag, ich sitze mit anderen Kindern in der Klasse und die Lehrerin stellt sich gerade vor.

I: Was ist in dieser Situation wichtig für dich?

F: In den hinteren Reihen sitzen die Eltern. Meine Mutter ist da. Die Lehrerin bittet alle Schüler, kurz aufzustehen und ihren Namen zu nennen... (Frank stockt.)

I: Erzähl ruhig weiter. Warst Du schon an der Reihe?

F: Nein, ich stehe jetzt auf und...

I: Was geschieht weiter?

F: Meine Mutter springt auf und verkündet lauthals, dass ich Linkshänder bin.

I: Wie geht es dir dabei?

F: Es ist mir furchtbar peinlich. Auf einmal sind alle ganz still und schauen mich an. Ich werde nervös, meine Hände werden feucht, und ich möchte am liebsten unsichtbar werden. Und ich bin wütend auf meine Mutter. Immer muss sie sich überall einmischen. Das ist typisch für sie. Wie es mir dabei geht, ist ihr egal.

I: Wissen wir jetzt alles, was in dieser Situation von Bedeutung ist?

F: Ja.

I: Dann geh jetzt raus aus deinem Körper, geh 1000 m über die Zeitachse, so wie wir es vor der Sitzung besprochen haben. Ich zähle gleich bis 3. Bei 2 atmest du tief ein und holst dir Kraft, und bei 3 stellst du dir, du gehst raus aus deinem Körper mit sechs Jahren, 1000 m über die Zeitachse, einen halben Tag vor das Ereignis mit Blick in Richtung deiner heutigen Gegenwart. Atme tief ein und wieder aus und spüre wie mit jedem Ausatmen die Symptome mehr und mehr nachlassen bis sie in einigen Sekunden ganz weg sind. Mit jedem Meter, den du höher schwebst, werden die Symptome schwächer und schwächer bis sie ganz auf Null sind. Wenn du oben angekommen bist, nicke zum Zeichen dafür mit dem Kopf.

Frank atmet tief ein und aus, und ich kann beobachten, dass seine Atemzüge immer gleichmäßiger werden und sich die Aufregung legt. Ich frage ihn:

I: Bist du oben angekommen, sind die Symptome weg?

F: Ich bin ganz ruhig.

Und in der Tat liegt Frank ganz ruhig da.

I: Gut, dann hol jetzt mal Deine Mutter dazu. Schlüpf einfach mal in die Rolle deiner Mutter. Tu so als wärst du deine Mutter.

Aus seinem Fragebogen weiß ich, dass Franks Mutter Monika heißt.

I: Monika, du hast gehört, was Frank gerade erzählt hat, wie er sich fühlt. Was hast du bezweckt mit deinem Einwurf?

F mit veränderter forscher Stimme in der Rolle seiner Mutter: Denkst du etwa, ich wollte ihm schaden? Ich mache mir Sorgen, weil er Linkshänder ist. Er ist der einzige Linkshänder, den ich kenne. Wie soll er schreiben lernen?

I: Hast du beobachtet, dass Franks Linkshändigkeit nachteilig für ihn ist? Kann er weniger als andere Kinder?

F als Mutter: Eigentlich nicht, aber bis jetzt war er nur zu Hause. Doch wie soll das in der Schule gehen?

I: Fragen wir mal die Lehrerin. Frank, wie heißt die Lehrerin?

F: Fräulein Schmidt. (Frank ist bereit mitzuarbeiten und schlüpft mühelos in die Rolle von Frl. Schmidt.)

I: Frl. Schmidt, arbeiten Sie schon länger als Lehrerin?

F ohne Zögern in der Rolle von Frl. Schmidt: Ja. Ich habe jede Menge Berufserfahrung. Ich kenne mich aus mit Kindern.

I: Dann hatten Sie garantiert Linkshänder unter ihren Schülern. Gab es da Probleme?

F als Frl. Schmidt: Kaum, die Schrift war meist nicht so schön.

I: Gibt es etwas, was sie Frank bzw. seiner Mutter zu dem Thema sagen möchten?

F als Frl. Schmidt: Frank braucht keine Angst zu haben. So selten ist das nicht, dass Kinder Linkshänder sind, und sie haben bei mir alle schreiben gelernt. Ich werde mich um ihn kümmern. Seine Mutter kann jederzeit zu mir kommen, wenn sie Fragen hat.

I: Danke. Frank, was denkst du jetzt über die Situation?

F: Sie ist typisch. Ähnliche Situationen gab es noch viele mit meiner Mutter. Feingefühl ist nicht ihr Ding. Sie hat einfach kein Einfühlungsvermögen und posaunt ohne Nachdenken raus, was sie denkt. Das macht sie heute noch.

I: Übernimm noch einmal ihre Rolle. Monika, wie siehst du das?

F in der Rolle seiner Mutter fängt an zu schniefen und schluchzt dann: Fragt auch mal einer wie es mir geht? Ich habe keine Zeit, mich mit Gefühlsduseleien zu beschäftigen. Franks Vater ist kurz vor seiner Geburt gestorben. Ich stehe mit 4 Kindern allein da. Das Haus ist nicht abgezahlt, ich arbeite von früh bis spät, um die Kinder durchzubringen. Und jetzt soll ich mich noch mit irgendwelchen Empfindlichkeiten befassen.

Frank, der sich hinter der Fassade seiner Mutter verstecken kann, weint heftiger. Ich ermutige ihn, seinen Kummer rauszulassen. Dann frage ich ihn:

I: Frank, wenn du dir das Verhalten deiner Mutter unter diesem Blickwinkel durch den Kopf gehen läßt, was fühlst du?

F: Ich bin erschüttert. Ich weiß, dass sie es sehr schwer hatte allein mit uns Kindern, aber ich habe sie nie weinen sehen, sie hat nie über sich oder ihre Sorgen geredet. Und ich habe nie darüber nachgedacht, dass sie wohl weder Zeit noch Kraft hatte, sich auch noch um das Gefühlsleben von uns Kindern zu kümmern. Allerdings habe ich oft das Gefühl, dass das Leben nicht gerecht zu ihr war, dass sie es besonders schwer hatte. Ich würde ihr gern helfen.

I: Frank, du kannst ihr nicht helfen, es ist ihr Schicksal und ihr Leben, und du hast dein Schicksal und dein Leben.

Stell dir vor, deine Mutter steht dir gegenüber, schau sie an und wiederhole dabei meine Worte: „Mama, ich achte dein Schicksal. Bitte schau freundlich auf mich, wenn ich meinen eigenen Weg gehe und erfolgreich bin.“

Frank hat die Worte nachgesprochen.

I: Wie schaut Sie?

F: Sie lächelt.

Kannst du dir vorstellen, dir von deiner Mutter den Segen geben zu lassen?

F: Ja.

I: Stell dir vor, deine Mutter legt dir die rechte Hand auf den Kopf und du empfängst ihren Segen. Wie fühlt sich das an?

F: Toll.

I: Gut, dann genieße dieses tolle Gefühl eine Weile… 

Frank hat ein Lächeln auf den Lippen.

I: Wenn es gut ist, tritt einen Schritt zurück.

F: Ich brauch noch etwas.

I: Du hast die Zeit, die du brauchst. Wenn es für dich gut ist, nicke mit dem Kopf.

Frank nickt nach kurzer Zeit kataleptisch (ohne es bewusst wahrzunehmen) mit dem Kopf.

I: Wenn ihr wollt, könnt ihr euch umarmen. Hast du Lust dazu?

Frank nickt eifrig. Dann kommen ihm die Tränen.

I: Warum weinst du?

F: Das habe ich mir immer gewünscht.

I: Jetzt hast du die Gelegenheit. Geh mit ausgestreckten Armen auf deine Mutter zu und laß dich von ihr umarmen.

Frank genießt das Gefühl, von seiner Mutter umarmt zu werden. Er nutzt die Chance, in Trance etwas nachzuholen, was er lange vermißt hat und dadurch ein inneres Bild zu verändern. Ich lasse ihm Zeit.

Nach einer Weile fordere ich ihn auf: und jetzt tritt einen Schritt zurück. In einem Moment nimmst du einen ganz tiefen Atemzug, so wie ich es dir vormache, und dann nimmst du beim Einatmen deine Mutter in dein Herz. Und jetzt: tief einatmen, gib deiner Mutter einen Platz in deinem Herzen.

Frank befolgt die Anweisung und liegt dann ruhig da.

I: Jetzt laß uns testen. Komm runter, zurück in deinen Körper. Du bist sechs Jahre alt und sitzt am Tag deiner Einschulung im Klassenzimmer. Deine Mutter verkündet, dass du Linkshänder bist? Wie geht es dir?

F: Es ist in Ordnung. Ich kenne ja meine Mutter, so ist sie eben.

I: Wie fühlt sich dein Körper an?

F: Normal.

Dann laß uns die Originalsituation testen. Du befindest dich in einem Gespräch mit einem Kunden und bemerkst plötzlich, dass dich dein Chef aus der Distanz beobachtet. Wie geht es dir?

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten:
1. Das Problem ist gelöst, Frank hat keine körperlichen Symptome mehr.

2. Die Symptome sind stärker geworden.

3. Die Symptome haben sich verlagert.

4. Die Symptome sind schwächer geworden.


F: Ich spüre eine leichte Erregung.

I: Wie macht sich diese bemerkbar?

F druckst: Na, ja...

I: Du kannst es mir ruhig sagen, wenn da noch etwas ist. Schließlich wollen wir gründlich arbeiten.

F: Der Kopf, das ist wieder diese Leere.

I: Wie stark ist das Gefühl auf der Skala von 1 bis 10?

F: 5.

I: Spürst du sonst noch etwas in deinem Körper, was da nicht hingehört?

F: Nein.

Der neue Ausgangspunkt:

Gefühl der Leere im Kopf: 5

I: Das bedeutet, dass es noch ein Ereignis geben muss, das wir bearbeiten sollten. Schauen wir mal, wann du dieses Gefühl der Leere im Kopf zum allerersten Mal hattest – vor, während oder nach Deiner Geburt? Was war dein erster Gedanke?

F schweigt.

I: Du kannst es ruhig sagen, alles ist möglich.

F zögernd: Vor. Vor der Geburt.

I: Während der Schwangerschaft oder davor?

F: Während. (Anmerkung am Ende des Artikels)

I: In welchem Schwangerschaftsmonat? Dein erster Gedanke.

F: 6.

I: Auf drei hast du ein Bild, ein Gefühl, einen Gedanken aus dem 6. Schwangerschaftsmonat. Eins, zwei, drei, du befindest Dich im Mutterleib. Es ist dunkel, es ist warm. Was fühlst Du?

F: Mir geht es schlecht.

I: Woran liegt das?

F: Mein Kopf tut weh.

I: Kannst du etwas hören? Was ist wichtig?

F: Stimmen. Eine Unterhaltung.

I:  Was hörst du? Kennst du die Stimmen?

F: Ja. Das sind meine Mutter und meine älteste Schwester Reni, die sich immer sehr um mich gekümmert hat.

I: Worum geht es in dem Gespräch?

F: Mein Vater liegt im Sterben. Meine Mutter hat große Angst.

I: Wovor?

F: Sie ist Hausfrau. Das Haus ist nicht abgezahlt. Wahrscheinlich kann sie da kein Kind mehr brauchen. Ich fühl mich so unsicher und fehl am Platz.

I: Wissen wir jetzt alles, was in dieser Situation von Bedeutung ist?

F: Ja.

Ich bitte Frank, seinen Körper wie gewohnt zu verlassen und sich 1000 m über die Zeitachse einen halben Tag vor das Ereignis zu begeben. Er kennt das Ritual bereits und befolgt es mühelos. Dann bitte ich ihn, seine Mutter zu holen.

I: Ich rede hier oben mal mit deiner Mutter. Hol sie her und schlüpf in ihre Rolle. Monika, wie geht es dir mit der Schwangerschaft?

F als seine Mutter: Ich bin froh, dass ich noch mal schwanger geworden bin, ich möchte noch ein Kind.

I: Heißt das, dass du dich ungeachtet der äußeren Bedingungen auf das Kind freust?

F als seine Mutter: Ja, sehr.

I: Frank, wie ist das, eine Mutter zu haben, die sich auf ihr Kind freut?

F: Ich bin überrascht.

I: Dann stell dir vor, sie steht jetzt vor dir und sprich mir nach: Mama, ich danke dir für das Geschenk des Lebens. Und ich nehme mein Leben zum vollen Preis, den es dich gekostet hat. Dir zu Ehren mache ich etwas aus meinem Leben. Danke, liebe Mama.

Ich nach einer Weile: Wie geht es dir damit?

F: Gut, richtig gut.

I:  Dann nimm wieder einen tiefen Atemzug, beim Einatmen nimmst du deine Mutter wieder in dein Herz, an den Platz, den sie bereits in deinem Herzen hat.

Während ich spreche hat Frank, der auch dieses Ritual bereits kennt, begonnen tief einzuatmen.

I: Und jetzt laß uns testen, geh wieder zurück in deinen Körper. Du bist im Mutterleib im 6. Schwangerschaftsmonat. Du hörst die Unterhaltung zwischen deiner Mutter und deiner Schwester. Wie geht es dir?

F: Gut.

I: Was ist mit dem Kopf.

F: Alles in Ordnung.

Also fordere ich ihn auf, sich wieder in die Ausgangssituation hineinzuversetzen, in der ihn sein Chef während eines Verkaufsgesprächs beobachtet, und frage:

I: Frank, wie geht es dir jetzt dabei?

F: Gut. Ich weiß schließlich, was ich kann und habe ausreichend Routine und Erfahrung, um selbst schwierige Kunden gut zu beraten.

I: Und dein Chef? Stört dich seine Anwesenheit?

F: Nein, ich will weiterkommen im Unternehmen. Dazu muß mein Chef wissen, was ich kann.

I: Wie fühlst du dich in deinem Körper?

F: Gut.

I: Was macht der Kopf?

F: Gut. Ich konzentriere mich auf das Gespräch mit dem Kunden.

I: Wandere dennoch in Gedanken durch deinen Körper. Ist da noch etwas, was dich stört?

F: Ich habe doch schon gesagt, dass es gut ist.

I: Dann können wir davon ausgehen, dass das Problem gelöst ist.

Ich hole Frank zurück aus seiner Trance.

 

Anmerkung

Wahrheitsfindung in Hypnose?

In einer Therapie geht geht es nicht um eine objektive Wahrheitsfindung. Die Dinge können sich so abgespielt haben wie der Klient in Trance berichtet, müssen aber nicht zwangsläufig so passiert sein. Entscheidend ist, dass der Klient seine Vergangenheit  in dieser Form innerlich gespeichert hat. Deshalb werden die Erlebnisse ernst genommen und bearbeitet, damit der Klient im Ergebnis mehr inneren Frieden verspürt und in der Lage ist, sein Potential besser zu nutzen.

Die heilende Wirkung geht von den gewonnenen Erkenntnissen und veränderten inneren Bildern aus, die der Klient während der Sitzung erlebt.

Vor, während oder nach der Geburt?

Vor der Sitzung habe ich Frank erklärt, dass die Ursachen für die meisten Probleme in unserer frühen Kindheit, der Prägungsphase, zu finden sind, er sich aber nicht wundern soll, wenn ich der Vollständigkeit halber auch nach Ereignissen vor der Geburt frage. Franks Einwand: Seiner Ansicht nach ist es ausgeschlossen, dass er sich dazu äußern würde und könnte. Schließlich wäre er ein durch und durch rationaler Typ.

Ich sage ihm, dass es keinen Einfluß auf den Erfolg der Sitzung hat, ob er es für möglich hält oder nicht. Er möge seinem Unterbewusstsein einfach vertrauen und abwarten, was geschieht. Damit ist Frank einverstanden. Diese Akzeptanz genügt.

Schlüpf in die Roller deiner Mutter?

Das Rollenspiel hat besonders viel Potential zur Versöhnung, besonders, wenn es um belastende innere Bilder aus der Vergangenheit geht. Einzige Voraussetzung für ein Gelingen: ein gewisses Maß an sozialer Kompetenz und die Fähigkeit zum Mitgefühl für andere Menschen.

Selbst Menschen, die mit regelrechtem Hass auf ihre Eltern zu mir in die Praxis kamen, waren mit meiner Unterstützung in der Lage auf diese Art und Weise zu arbeiten und diese Arbeit als heilsam zu empfinden. Der konkrete Weg hängt von der jeweiligen Lebensgeschichte ab.